Freitag, 11. Mai 2012

Buchkritik: Jon Osborne "Töte mich"



Ein ekelhafter Killer

Buchkritik: Jon Osborne schrieb den Schocker "Töte mich"


Der Serienkiller mit krankhaftem Ehrgeiz heißt Nathan.
Er lebt in Los Angeles, späht seine Opfer im Internet
aus, verabredet sich mit ihnen auf ein Schäferstündchen
umd wird durch die Tötungen der Frauen erregt. Es gibt
ihm ein Gefühl der Macht. Gut und Böse wechseln sich ab.
Auf der anderen Seite agiert die FBI-Agentin Dana, deren
Name sich in einzelnen Buchstaben bei den Opfern findet.
Schauder regt sich in der Agentin, deren Familie von
einem Mörder ausgelöscht wurde, als sie gerade einmal
vier Jahre alt war. Sie betäubt sich zunehmend mit
hartem Alkohol. Der skrupellose Serienmörder löst Ekel
aus, wenn er aus seiner pervertierten Sichtweise seine
Lust am Töten beschreibt. Doch leider gibt es sie tatsächlich,
diese Sozio- und Psychopathen, die so fühlen. Sie schieben
jede Verantwortung für ihr Handeln von sich, haben kein
Mitleid, sind sich ihrer Schuld nicht bewusst. Meist hatten
sie selbst eine sehr schwere, gewaltgeprägte Kindheit.
Der Autor erreicht mit mehreren Kunstgriffen eine Spannung.
Er setzt den Killer mit der FBI-Agentin in Verbindung, die
von ihm bedroht wird. Aber den Grund für seinen immensen
Hass auf die Agentin lässt Jon Osborne nicht verlauten.
Nicht direkt. Der andere Coup des US-amerikanischen Autors
gelingt ihm indem er unvermittelt die Lebensgeschichte des
Killers erzählt. Damit erreicht er ein gewisses Maß an
Erklärung für dessen Hass und Mordlust. Jon Osborne ist
Redakteur und arbeitet in Florida als freier Journalist
über "harmlose" Themen wie den Bäcker von nebenan, aber auch
über spektakuläre Dreifachmorde. "Seinen" Killer ließ er
Journalismus studieren und als Redakteur über Verbrechen
schreiben. Der Thriller ist mit Gewaltszenen
übersät, aber gleichzeitig kein trivialler Horrorkrimi ohne
Sinn. Es ist ein gruselig-spannendes Buch über die
Entgleisung von Menschen, denen in ihrer Kindheit zuviel
Gewalt angetan wurde. Und somit eine Warnung an alle Eltern,
ihre Kinder nicht verwahrlosen zu lassen. Jon Osborne
arbeitet an einem zweiten Roman.
(c) Corinna S. Heyn

Jon Osborne, Töte mich.
Thriller.
Aus dem Englischen von Axel Merz.
Lübbe PB 2011.
Preis: 14,99 Euro
www.luebbe.de

Mittwoch, 2. Mai 2012

Hörbuchkritik: Mark Allen Smith "Der Spezialist"


Grusel-Kino für die Ohren

David Nathan liest männlich-markant den Thriller
"Der Spezialist"


Das Hörbuch beginnt mit einem Verhör. Mit dunkler,
ruachiger und unverwechselbar geheimnisvoller
Stimme zieht David Nathan den Zuhörer in einen
magischen Bann. Er flüstert bedrohlich, schreit
beängstigend und klingt unheimlich in Szenen, in
denen es um das Foltern geht. Niemals aber klingt
dieser Sprecher gewöhnlich. Er gilt als bester
Synchronsprecher Deutschlands, der schon mit dem
Deutschen Hörspielpreis ausgezeichnet wurde. Und
er lieh bereits Filmgrößen wie Johnny Depp und
Christian Bale seine deutsche Stimme. Der Thriller
"Der Spezialist" von Mark Allen Smith ist geradezu
prädestiniert dafür, von einem Könner wie Nathan
gelesen zu werden. Es ist wie Kino für die Ohren.
Smith dachte sich die Story um den Verhörexperten
Geiger aus, der für Regierungsbehörden, inernationalen
Konzerne und das organisierte Verbrechen arbeitet.
Geiger , der sehr musikalisch ist, und verstimmte
Violinen in einem Orchester heraushören kann, hat
Prinzipien. Er arbeitet nicht mit Kindern oder alten
Menschen mit Herzproblemen. Kein Wunder bei den Folter-
methoden, die er anwendet. Doch er ist Experte in
Sachen Körpersprache. Und er spielt Violine. Aber
ein Auftraggeber bringt ihm den Jungen Ezra. Geiger
will dieses Kind retten und nimmt ihn in seine Wohnung.
Der Autor produzierte zehn Jahre lang Dokumentationen
und Nachrichten für das Fernsehen. Mark Allen Smith
lebt in New York mit Partnerin und drei Kindern und
macht gerne Musik. Das Hörbuch ist eine Glanzleistung
in Sachen perfekte Adaption eines Buches als Tonevent.
Allerdings keines für schwache Nerven.
(c) Corinna S. Heyn


David Nathan liest
Mark Allen Smith,
Der Spezialist.
6 CDs, 436 Minuten.
bearbeitete Fassung
Redaktion: Karin Weingart
Musik: Michael Marianetti
Regie: Kerstin Kaiser
Produktion: Marc Sieper
Lübbe Audio 2012
www.luebbe.de

Buch:
Mark Allen Smith,
Der Spezialist.
Thriller
Aus dem Amerikanischen von
Dietmar Schmidt
Lübbe PB 2012
Preis: 14,99 Euro
www.luebbe.de